Stell dir vor:

Du bist 55 Jahre alt und lebst auf einem winzigen Felsen, weit draußen in der Nordsee.

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Das ist dein Alltag.

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Und das auch.

Wohnraum ist knapp und häufig teilt man sich Wohnungen. Manchmal ist das in unerwarteter Art multikulturell. Man kommt gut zurecht.

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So läuft das hier.

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Unbeeindruckt ziehen die Wolken übers Oberland. Die haben schon ganz andere Sachen gesehen.

Nacht

Den Blick aus meinem Schlafzimmerfenster auf den Binnenhafen habt ihr ja alle schon gefühlte hundertmal gesehen, bei Sonne, bei Regen, mit Menschen oder mit ohne.

Aus der Küche sehe ich aber in der entgegengesetzten Richtung auf die Lagerhallen der Duty-Free-Händler und der Offshore-Leute. Wie alle Neuzugänge wohne ich nämlich bis auf Weiteres im Südhafen.

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Eine Menge Wasser weht in Schwaden vorbei und kann sich nicht entscheiden, ob sie jetzt Regen oder Nebel sein möchte. Brian Eno verbreitet aus dem Küchenlaptop U-Boot-Geräusche. Alles gut.

Here comes the rain again

Nein, keine Sorge, ich höre nicht Annie Lennox zum Frühstück.

Der Südwestwind hat über Nacht auf Beaufort 8 aufgefrischt und treibt den Regen gegen das Küchenfenster. Das ist so ungefähr die Windgeschwindigkeit, ab der Fenster und Türen beginnen, ein Eigenleben zu führen.

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Alles was nach Süd öffnet (Küche, Klo und Wohnungstür), haut dir bei achtloser Handhabung gerne mal eins auf die Nase und der Rest will ordentlich ins Schloß gezogen werden, damit er nicht plötzlich aufspringt und die Inneneinrichtung umbaut.

Und dann ist da noch dieses Geräusch mit dem ich einschlafe und aufwache, wie in einem Gruselfilm aus den Fünfzigern mit eher bescheidenem Budget: Ouuuuooouuuhhh…

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Ansonsten ist es sehr still in der Männer-WG in der Hafenstraße. Joe hat Frühschicht und Daniel ist für ein paar Tage in Portugal, Sonne nachtanken.

Kerzen. Ich muß mehr Kerzen kaufen.