Die Kleine, die Große und die Überflüssige

Vor ein paar Jahren wohnte ich in Essen im Ruhrgebiet in einer etwas vermoderten Villa, direkt neben der 24-Stunden-Tankstelle. Abgesehen von Bier und Chips rund um die Uhr konnte man bei extremer Langeweile auch am Wohnzimmerfenster abhängen und das Treiben rund um die Tanke ankucken, denn alle paar  Tage müssen alle die Benzinosaurier dorthin:

Die Schrottlauben, die Ich-habe-sechsstellig-bezahlt-für-ein-Auto-Monster, die verbeulten Kurier- und Handwerker-Kleinbusse und einmal in der Woche der Tanklaster.

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Irgendwie hat sich in dieser Hinsicht gar nicht so viel geändert, denn auch auf Helgoland wohne ich gegenüber der Bootstankstelle:

Ganz vorne die Diker, die die Forschungstaucher der Biologischen Forschungsanstalt hinausbringt, hinten rechts die Ebba 2, die die Tankstelle mit Nachschub versorgt und links eine Privatjacht, die zu gar nichts taugt, außer massenhaft Sprit in Abgase zu verwandeln und vielleicht dabei sexy auszusehen. Passenderweise heißt dieses unnütze Ding Cigarette.

Plus ça change, plus c’est la même chose, wie die Franzosen sagen ;-) .

Öl

Selbst der Weihnachtsmann fährt auf Helgoland elektrisch.

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Trotzdem: Auch wenn auf der Insel pro forma alle Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden, kommt einmal im Monat der Tanker aus Cuxhaven (und im Sommer etwas öfter), denn die verschiedenen CTVs, der Rettungskreuzer und eine Reihe von Baustellenfahrzeugen auf der Insel brauchen Dieselöl.

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Bizarrerweise kam der Strom für die Elektrofahrzeuge bis 2009 ausschließlich von zwei Dieselgeneratoren (jeder etwa so groß wie eine der Hummerbuden im obigen Bild) im Nordostgelände der Insel. Dann wurde das Helgolandkabel von St. Peter-Ording verlegt und die Insel als die definitiv letzte Gemeinde in Deutschland an das Stromnetz auf dem Festland angeschlossen.

Von 1990 bis 1995 hatte die Insel auch eine eigene Windturbine. Die war aber meistens kaputt – die Idee war gut, aber die Technik nicht reif dafür. Strom aus den heutigen Windparks wird es auch nie direkt geben, das liegt an der aufwändigen Umspanntechnik, die man bauen muß, wenn man eine so lange (Unterwasser-) Leitung hat. Lasst euch mal von einem Hochenergie-Elektriker oder der W*kipedia den Sheathing-Effekt erklären.

Ganz nebenbei kann man hier auch meine Wohnung erkennen. Einfach die merkwürdige Gangway anpeilen, die mittschiffs vom Tanker aufsteigt (in Wirklichkeit ist es das Rigg für den Tankschlauch) und direkt darüber ist mein Zimmerfenster.

(Hallo Tante Else, ich bin im Fernsehen Internet!!! ;-)