September. Noch.

Was inzwischen geschah: Es war August. Es wurde September.

Der Herbst feuerte dem Sommer ein, zwei Warnschüsse vor den Bug.

Dann kam die Sonne wieder zurück, der Himmel ist wieder postkartenblau, die weissen Schiffe liegen auf der Reede und der Felsen blüht und grünt aus allen Knopflöchern.

Gut gelaunte Gäste, dem Treiben auf dem Festland entronnen. Manche sagen, dass sie mich ein wenig beneiden (aber doch den Sprung an so einen seltsamen Wohnort scheuen).

Aber da ist auch eine leise Stimme, die immer wieder flüstert: Noch.

Noch scheint die Sonne, noch kämpft sich die tapfere Dünenfähre alle 30 Minuten durch die Passage zur Landungsbrücke.

Aber die ersten KollegInnen in den Hotels und Restaurants zählen mir schon die Tage ab, bis sie für die Wintersaison in die Urlaubsorte in den Skigebieten umziehen.

Ich bleibe hier und zähle auch die Tage, sage ebenfalls: Noch.

Noch vier Wochen, bis Fe wieder hierher kommt. Eigentlich hatte ich ja den Plan, allein zu bleiben, auf diesem Felsen, wo das Risiko ungeplanter emotionaler Verwicklungen so gering ist wie nur möglich.

Ich glaube, ich brauche einen neuen Plan.

Anreisen, Abreisen (2)

Die Insulaner sind an An- und Abreisen gewohnt, ganz besonders im Sommer. 

Manche Menschen kommen mittags hier an, laufen einmal um die Insel herum zur Langen Anna, dann auf dem Rückweg durch die Duty-Free-Shops zurück zum Hafen. Und um 16 Uhr sind sie dann alle wieder weg.

Andere bleiben drei, vier Tage, fahren auch mal zur Düne rüber, die Robben und Seehunde besuchen. 

Dann glauben sie, alles Wichtige gesehen und erlebt zu haben. 1.800 mal 600 Meter Felsen, einmal auf dem längsten Weg außen herum laufen bedeutet fünf Kilometer, was soll da übrig sein? Hmmm…

Manche Gäste bleiben noch etwas länger. 

Und dann geht es doch wieder zurück, zum letzten Boot, das die Passagiere zu den Fährschiffen über setzt.”Macht mal hinne”, grummelt einer der Börteschiffer, “knutschen könnt ihr gleich immer noch.”

Nee, Kollege. Das ist ja das Problem. Ich bleibe hier. 

Dann hebt das letzte Schiff den Anker, eine halbe Stunde später ist die Reede wieder leer und es gibt einen Ort auf dem Felsen, an dem gestern noch jemand war. 

Und diesen Ort trage ich mit mir herum. Musik, bitte.

Back to the garden

Da war ich.

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Und dann fuhr ich wieder zurück.

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Ok, ok, ok.

Das Herzberg-Festival ist, anders als die Fusion, mehr so eine Althippie-Veranstaltung.

Hier fragen am Bierstand die Leute neben dir andauernd: “Warst du nicht vor mir dran?” Noch am dritten Tag kann man die Dixiklos ohne Schutzanzug benutzen. Wenn das nicht von wahrer Liebe zeugt ;-) !

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Es gab viele, ungewohnt offene, freie Unterhaltungen mit bis dahin völlig Fremden und, sorry, lieber Felsen, aber deine Bewohner sind da doch viel zurückhaltender. Ich hab sogar eine etwas komplizierte Theorie, inwiefern das mit der Insellage zu tun hat, aber ich verrate sie nicht ;-) .

Ach so, Musik gab es auch. Tolle. Yippie!

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Tja, und nun bin ich wieder zurück. Es gibt eine Menge zu tun, die Saison läuft auf Hochtouren, meine Gäste sind trotz holpriger See und Wetterlage gut drauf. Läuft.

Aber es fehlt auch was. Das Gefühl hatte ich hier noch nie.

 

Bilderbuch

Heute war wieder einer dieser Tage, die fast schon zu perfekt erscheinen: Strahlender Sonnenschein, gemütliche 24 Grad, gut gelaunte Gäste mit lustigen Kids (die meistens die besten und überraschendsten Fragen stellen).

Vom Festland kommen wieder Nachrichten von nicht enden wollendem Mord und Totschlag: Nizza, Istanbul, Baton Rouge, Würzburg… Und wieder dieses komische Gefühl, als geschehe das Alles in einer anderen Welt.

Warum machen wir diese Dinge? 

Ich kenne niemanden, den ich so sehr hassen würde und keine Belohnung, die solche Gier, Grausamkeit und Dummheit wert wäre.

Aus dem Westen zieht ein Unwetter auf.

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Gefühlte 10.000-mal habe ich von Freunden auf dem Festland eine Karikatur zugesandt bekommen. Na ja, war halt auf Spiegel Online.

Cartoon Miriam Wurster / Helgoxit

Tscha. Jetzt wisst ihr alle, wie wir normalerweise aussehen, wenn wir mit unseren Gummistiefeln im Regen herumstehen und motzen. Trotzdem muss ich Kritik üben:

Wir haben nur schwarze Schafe, keine weißen. Weil es Heidschnucken sind und keine Schafe.

Parallelen

Nach einigen Tagen auf dem Festland und dem Fusion-Festival bin ich wieder zurück auf dem Felsen.

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(Nein, das ist nicht Helgoland, sondern Cuxhaven. Aber die Parallelen zu den Parallelen im Titel waren zu verlockend. Und dieses rekursive, aber irgendwie dämliche Wortspiel auch. ;-)

Wie immer war die Fusion ein besonderes Erlebnis, aber ich schreibe hier nicht mehr darüber. Im vergangenen Jahr hatte ich mit einem ziemlich euphorischen Blogeintrag einen regelrechten Shitstorm ausgelöst, denn Medienpropaganda ist von den OrganisatorInnen (und auch den meisten BesucherInnen) unerwünscht. Und das betrifft nicht nur Mainstream-Medien, sondern auch Soziale Dreckwerke, wie die FusionistInnen das so charmant ausdrücken. Ich hatte halt das Kleingedruckte in der Bedienungsanleitung nicht gelesen.

Seit einigen Jahren versucht die Fusion, nicht mehr größer zu werden. Relativ erfolglos. Der Erwerb eines Tickets ähnelt vom formalen Aufwand inzwischen eher dem Abschluss eines Bausparvertrages. Und vielleicht trägt gerade das zu einem zusätzlichen, unerwünschten Hype um das Festival bei.

In diesem Jahr haben die OrganisatorInnen daher bekannt gegeben, dass es in 2017 kein Festival geben wird. Die Bedenkzeit soll unter Anderem dazu dienen, sich Gedanken zu machen, wie es mit dem Festival weitergehen soll.

(Nein, das ist kein Bild von der Fusion. Das ist nur eine Wiese im 275-Seelen-Dorf Lärz in Mecklenburg-Vorpommern, drei Tage nach dem Festival.)

Kurz vor meiner Abreise hatte ich die Blogeinträge komplett auf inaktiv gesetzt und ein Baustellenschild aufgehängt. Vor zwei Jahren habe ich das Blog gestartet, um meine Festlandsfamilie auf dem Laufenden zu halten und wenn dann noch andere Menschen mitlesen konnten – nun ja, auch nicht schlimm, vielleicht würden ja sogar einige dadurch hierher gelockt.

Aber dann habe ich mich neulich etwas mit Pingbacks, Referrern und der WordPress-Zugriffsstatistik beschäftigt und auch damit, was ich teilweise an Persönlichem hier veröffentliche. Und mir wurde etwas mulmig, gerade weil ich mich sonst gerne darüber lustig mache, wieviel Privates ein nicht unerheblicher Teil der Menschheit über diverse soziale Dreck Netzwerke unkontrolliert der Öffentlichkeit offenbart.

Hm.

Ich brauchte allerdings kein ganzes Jahr Bedenkzeit, um ein paar Blogeinträge auf Privat zu setzen und den Rest wieder freizugeben. Auch in Zukunft werden manche Einträge nur mit einem Passwort für den Kreis der Üblichen Verdächtigen™ lesbar sein. It’s my party ;-) .

Baustelle

Das Halunder Blog wird gerade umgebaut.

Was als simple Möglichkeit begann, um meine Familie auf dem Festland auf dem Laufenden zu halten, hat inzwischen mehr Publizität gewonnen, als ich handhaben kann.

Ich bitte um etwas Geduld.

Spaziergang am Rand der Welt

Gestern morgen hat es in einer Stunde 40 Liter pro Quadratmeter geregnet. Das macht hier aber nichts, die Helgoländer Häuser sind für sowas gebaut. Als dann die Sonne wieder zum Vorschein kam, versank erstmal der Rest der Welt im Nebel.

Nächste Woche bekomme ich Besuch und deswegen laufe ich zur Jugendherberge, um ein Zimmer zu reservieren. An der Ostmole spazieren ein paar Zweibeiner am Rande des Nichts entlang.

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Danach sitze ich am Nordoststrand. Ein Seehund betrachtet mißtrauisch eine Entenfamilie. Wer weiß, ob die nicht den ganzen Fisch wegfressen?

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Dann klettere ich ins Oberland hinauf. Am Brutfelsen ist wieder ein Riesenkrakeel von Hunderten von Lummen und Tölpeln und es riecht recht würzig, ein bißchen nach Fisch und Vogelmist. Oben an der Felskante stehen die Zweibeiner mit ihren Tele-Objektiven und knipsen, was das Zeug hält. Mein Blick wandert vom Felswatt bis zum Horizont mit den Überseefrachtern auf dem Weg nach Hamburg.

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Heute haben wieder Gäste am Ende der Tour gefragt, wie man eigentlich auf die Idee kommt, hierher zu ziehen. Aber da habe ich inzwischen auch eine Antwort parat, die sogar zu einem überwiegenden Anteil auf wahren Begebenheiten beruht ;-) .

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