Gute Vorsätze

Ok, ich werde bis auf Weiteres keine Loblieder mehr auf die baldige Ankunft des Frühlings singen. Aberglaube bringt bekanntlich Unglück und immer, wenn ich das tue, sieht es am nächsten Tag so aus:

Oder so:

Selbst die sonst so Helgoland-festen Möwen sehen ganz schön angep***t aus.
Trotzdem will ich zur Düne hinüber, einfach weil heute mein freier Tag ist.

Och nee, sagen die Jungs von der Dünenfähre, kannste nicht in einer halben Stunde wiederkommen? Der Nebel hat auch den Verkehr auf dem Dünenflughafen zum Erliegen gebracht und außer mir ist weit und breit kein Verrückter zu sehen, der dort hin will.

Na gut. Eine halbe Stunde später ist immer noch keiner da, aber dann fahren sie doch. Nur für mich.

Auf der Düne ist gerade die wilde Strandparty am toben.

Irgendwo, irgendwo dahinten bestimmt. Eventuell aber auch schon in Dänemark.

Dann laufe ich hinüber zum Nord-Ost-Strand, aber weit komme ich nicht.

Überall sind große Schilder, die die Seehunde darauf hinweisen, mindestens 30 Meter Abstand von den Zweibeinern zu halten. Können die nicht lesen?

Nö.

Dann fahre ich mit der letzten Fähre wieder zurück.

Am nächsten Tag ist das Wetter soso, hmhm, lala, aber ich sage nichts. Ich möchte meinen Anwalt sprechen ;-) .

Hin und Her

Heute waren wieder beide Termine komplett ausgebucht. Das ist dann gar nicht so einfach mit der Lautstärke, wenn bei zwanzig Menschen die in der hintersten Reihe noch etwas mitkriegen sollen, ohne dass denen ganz vorne die Trommelfelle wegfliegen.

Scheint aber geklappt zu haben. So albern es klingt, nach all den Jahren als Gästeführer freue ich mich immer noch wie ein kleiner Junge, wenn die Leute am Ende ein wenig klatschen oder sagen, dass die Tour besser war als sie erwartet hatten. Klar, ich würde für Irgendwie-Ok-Gästeführungen das gleiche Geld kriegen, aber wem soll das denn Spaß machen? Auch mal ganz egoistisch betrachtet ;-) .

Jedenfalls laufe ich auf dem Heimweg über die Westseite. Ein Umweg, aber da war ich schon seit Tagen nicht mehr. Ehrlich gesagt war ich auch schon seit einem Monat nicht mehr an der Langen Anna. Komisch, aber andererseits… fragt mal einen Bürger der Stadt Paris, wann er zuletzt auf dem Eiffelturm war.

Plötzlich wird mir wieder bewusst, dass der Winter wohl jetzt-endlich-wirklich vorbei ist. Seit zwei Wochen keine langen Unterhosen mehr (wer wollte das jetzt eigentlich so genau wissen?) und die Sonne wärmt zwar nur ein wenig, sieht aber schon irgendwie anders aus.

Über und unter mir geschieht gerade die nachmittägliche Helgoländer Rush Hour. Der Marine-Hubschrauber kehrt von der Patrouille zurück und landet 200 Meter hinter meinem Küchenfenster (da klingelt jetzt leise das Geschirr im Schrank).

Dann legt das Schiff  mit heiserem Getute ab (bald werden es wieder fünf Schiffe sein) und kurz danach kehrt der kleine Charter-Hubschrauber der Offshore-Leute aus dem Windpark zurück.

Ebenso im Osten eines der CTVs und die Dünenfähre fährt jetzt auch schon bis 18 Uhr anstatt 16 Uhr wie im Winter. Das reinste Verkehrschaos ;-) .

Über mir ertönt ein heiseres Nachbrenner-Röhren und mit Mühe erkenne ich das winzige silberne Delta eines Düsenjägers. Die Marineflieger benutzen Helgoland gerne als Wendemarke bei Übungsflügen. Meine Kamera kann das nicht mehr erkennen, aber ich schwöre euch, da oben sitzt jetzt gerade ein Mensch in seinen G-Suit eingeschnürt und versucht, in der Kurve nicht das Bewusstsein zu verlieren.

Was für eigenartige Wesen wir doch sind: So emsig, so erfindungsreich und irgendwie doch ganz schön albern dabei.

Noch zwei Wochen bis zum Saison-Beginn. Und Fe kommt hierher. Yippie!

Licht an

Der Winter war lang. Laaang. Und trübe. Trüüübe. Auf dem Weg zur Bücherei mache ich ein Foto von meinem Schatten, einfach, weil ich mich nicht erinnern kann, wann ich zum letzten Mal einen Schatten geworfen habe. Muss irgendwann im November gewesen sein.

Aber seit zwei Tagen gibt es wieder dieses komische helle Ding am Himmel und zum Glück gehts dem Sommer entgegen ;-) .

Gerade rechtzeitig wohl auch für das Filmteam, das vor ein paar Tagen hier aufschlug, um einen Helgoland-Krimi zu drehen. Die haben allerdings vorsichtshalber ihr eigenes Licht mitgebracht. Sogar so viel, dass man es von meinem Fenster aus sehen kann.

Auf meinem Abendspaziergang bin ich dann doch neugierig, aber aus der Nähe sieht es natürlich so prosaisch aus wie alle anderen location shoots sonst auch.

Eine Menge Kabel, Scheinwerfer und Klimbim, Roadies und AssistentInnen, die gerade auf die harte Tour herausfinden, dass W*ll*nst**n-Jacken auf Helgoland nicht warmhalten.

Ich hab mal den Roman gelesen, der dem Drehbuch zugrunde liegt. Mit dem realen Helgoland hat er nicht wirklich was zu tun. Aber ich habe mir von gut informierten Fachfrauen sagen lassen, dass das beim Münster-Tatort auch nicht anders ist. So what.

Drei

Das dritte Silvester auf dem Felsen. Vor zwei Jahren wurde ich von Gästen auf dem Heimweg in deren Party hereingezerrt und zerschellte an einem Killer-Caipirinha. Spontaner Sprachverlust in 15 Minuten. Hm.

Vor einem Jahr stand ich ganz unzeremoniell oben an der Steilklippe, prostete der Nordsee mit einem Handbier zu und ging wieder nach Hause. Da hätte ich noch superkomplizierte Fremdwörter aussprechen können. Es war aber keiner da, der sie hätte hören wollen. Tja.

Heute haben wir lecker Falafel gemacht und uns dann – leicht überfuttert – mal kurz hingelegt. Die Macht des Falafel war größer als die des Weckers. Also warf uns das Feuerwerk um 00:01 Uhr aus dem Bett. So geht’s natürlich auch ;-) .

Zum Glück wohne ich ja mit Seeblick.

Das Haus, das schläft

Dieses Jahr bin ich zu Weihnachten nicht auf dem Felsen, sondern ziemlich weit weg auf dem Festland. Das ist eine lange Geschichte, die für die meisten Leute nicht von Interesse ist. Und die anderen wissen sowieso schon Bescheid.

Es ist ein wenig anders, als mit einem Handbier an der Steilklippe zu stehen und in Richtung Südhafen zu schauen. Im Sommer war ich schon einmal hier und nannte es das Haus, das schläft. Doch nun sind seine Bewohner für ein paar Tage zurückgekehrt, ich stehe im Garten und fühle mich gleichzeitig fremd und zuhause.

Haltet die Ohren steif, Leute und macht es gut.

Ansage

Über Zugfahrten und was da unterwegs passiert, blogt man nicht. Das ist Twitterei unterster Schublade. Zwar habe ich seit 2009 einen Twitter-Account, habe ihn aber noch nicht benutzt. 

Ist aber auch egal, denn ich fahre gerade mit der Bimmelbahn durch Ostfriesland und der Schaffner sagt gerade den nächsten Halt durch. Der Norddeutsche gilt ja stereotyp als eher humorfreies Wesen, aber:

“Yo yo yo, wir halten mal kurz in Hechthausen. Wer aussteigen muss – tschüs und schönen Tag noch. Ansonsten gute Weiterfahrt!”

Der nächste Bahnhof ist Hammah, und tatsächlich, unvermeidlich:

“Nächster Halt Hammah. Ischa der Hammer, oder?”

Dann kommt Stade.

“In Kürze erreichen wir die wunderschöne Hansestadt Stade. Da sollte man eigentlich auf jeden Fall aussteigen. Wer trotzdem weiterfahren will – selber schuld, lohnt sich nicht.”

Trotzdem geht es dann weiter in Richtung Hamburg.

Liebe ZugbegleiterInnen: Was immer es heute zum Frühstück gab – esst mehr davon ;-).

Reality Check

Gestern bin ich vom Felsen in Richtung Festland aufgebrochen. Keine besonderen Vorkommnisse auf der Überfahrt. Deck 4 (wo man rauchen darf) ist wetterbedingt ziemlich leer.

Über Bord ist auch keiner gegangen. Yay!

Heute morgen im Hostel: Reality Check, Fernsehen. Gibt es natürlich auch auf dem Felsen, bei mir zuhause aber nicht. Kuckt sich das überhaupt noch jemand an?

Und dann mache ich mich auf den Weg zum Bahnhof.

Festland, bleiche Mutter.