Wahlergebnis

Wie so viele andere Sachen ist auch das Wahlergebnis auf Helgoland etwas anders.

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CDU SPD GRÜNE FDP DIE LINKE AfD
336
37,4%
241
26,8%
99
11,0%
91
10,1%
76
8,5%
35
3,9%
DIE PARTEI FREIE ÖDP MLPD BGE NPD
18
2,0%
1
0,1%
1
0,1%
0
0,0%
0
0,0%
0
0,0%

Die PARTEI hat nur halb soviel Stimmen geholt wie die AfD. Das ist noch ausbaufähig ;-) .

 

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Wahlkampfskandal

Wie auf dem Festland gibt es auch auf der Insel Gesetze und Verordnungen. Manchmal auch recht spezielle, z.B. was die Mittags- und Nachtruhe oder Werbeplakate angeht. In der Mittagspause ist im Dorf Skateboardfahren verboten, ebenso grelle Farben oder Leuchtschriften am Schaufenster überhaupt und “Plakate” dürfen hier effektiv nicht größer als ein DIN-A-4-Blatt sein.

(Ja, wenn der Insulaner zwei oder dreimal im Jahr aufs Festland fährt, ist der Alltag dort auch visuell… anstrengend.)

Deswegen müssen wir hier auch ohne die schöne Wahlkampfwerbung auskommen (und jetzt alle so “Ooooch!”)

Komischerweise hängen seit ein paar Tagen aber doch Wahlplakate aus. Und auch nur für eine ganz bestimmte Partei.

Legal ist das definitiv nicht.

Andererseits scheint es auch keinen wirklich zu stören. Eher im Gegenteil.

Anscheinend sehen weder Gemeindeverwaltung noch Inselpolizei Handlungsbedarf.

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Vielleicht wegen des herzerweichenden Regionalbezugs? Oder einfach nur, weil Insulaner manchmal ihre eigenen Maßstäbe und Ansichten haben? Die Landesregierung in Kiel ist weit weg.

Fein fein fein

Tja, das war’s wohl erst mal mit dem Sommer. Die erste Regenwoche war hier und die Möwen an der Landungsbrücke sehen noch ein bisschen missmutiger aus als sonst. Schietwetter, da trägt kein Zweibeiner arglos sein Fischbrötchen spazieren.

Aber was soll’s, es ist September auf Helgoland, zwischen den Regenschauern schaut immer mal wieder kurz die Sonne hervor und fein, fein, fein, ein Regenbogen!

Am Himmel entstehen und vergehen immer neue Wolkentürme. Abends knipst Gott nochmal kurz die Taschenlampe an und spielt vor dem Schlafengehen ein wenig damit herum.

Als ich wieder in die Nähe der ersten Freifunk-Router komme, fängt mein schlaues Telefon an, zu tuten und zu blinken. Oh, drei Buchungsstornos für Gästeführungen. Ah, der deutsche Wetterdienst schickt auch Grüße. Hm, die Reedereien haben alle Passagen abgesagt. Na dann.

Der Wind hat aufgefrischt und die Mikroturbine auf der Taucherstation nimmt ordentlich Fahrt auf.

Heute morgen gegen vier werde ich von Geklapper der Dachschindeln wach. Die sind zum Glück – und aus gutem Grund – hier meistens am Dachstuhl festgenagelt, aber über meiner Zimmerdecke ist kein Dachboden.

Vernünftigerweise steht auch keinem Besucher der Sinn nach Inselrundgang bei horizontalem Regen und 100 km/h Windgeschwindigkeit. Das kann man nach einiger Zeit hier am Geräusch erkennen, das der Sendemast im Oberland macht. Ab 80 km/h ändert der die Tonlage.

Die Dünenfähre ist schon wieder in den Binnenhafen zurückgekehrt und das ist am Vormittag kein gutes Zeichen. Wer jetzt in den Ferienhäusern auf der Düne wohnt, muss in der Flughafencafeteria einkaufen.

Trotzdem muss ich kurz ins Oberland, weil dort bei ein paar Offshore-Leuten das Internet spinnt. Die haben heute natürlich Wettertag und wollen ganz dringend ganz viel nach Hause telefonieren. Oder skypen. Oder snapbook-facechatten oder was weiß ich ;-). Ein Bier kriege ich auch angeboten, aber es ist gerade halb zwölf und irgendwie muss ich auch noch wieder nach Hause kommen. Und das ist inzwischen ein wenig… problematisch.

An Tagen wie heute wird nämlich ganz von selbst klar, warum das Dorf auf dem Felsen so gebaut ist, wie es ist. Im Unterland ducken sich die Häuser in den Schutz der Steilklippe und im Oberland gibt es nur eine einzige durchgehende Straße in Ost-West-Richtung. Die anderen “Straßen” sind gerade mal zweieinhalb Meter breit und alle paar dutzend Meter kommt irgendein Knick, der den Sturmwind aus Westen bricht.

Ich wohne aber – wie die meisten Habenichtse – im Südhafen. Da sollten ursprünglich gar keine Wohnhäuser hin und 100 Meter von meiner Wohnung sieht es so aus.

Ich weiß, die Fotos sind miserabel. Das liegt daran, dass man bei Orkanböen nicht mehr stehen bleiben kann. Der Wind nimmt einen einfach mit und zum Glück ist das meistens landeinwärts. Wieder einmal frage ich mich, wie Franz Schensky das hingekriegt hat. Mit Plattenkameras.

Bizarrerweise sehe ich jemanden, der im Wassersturzbecken spazieren geht. Was die Leute so machen…

Irgendwie verstehe ich nicht, was daran Spaß macht, alle zehn Sekunden einen halben Zentner Nordseewasser, gemischt mit allerlei zerkleinerter Meeresfauna und -flora aufs Dach zu kriegen. Und ich steige ganz bestimmt nicht da runter, um ihn zu fragen.

Naja, vor vier Jahren bin ich auch beim ersten Orkan im Oberland herumgestiefelt. Hab ich danach nie wieder gemacht.

An der Südkaje liegen normalerweise die Crewschiffe der Windpark-Leute. Die sind aber vorsichtshalber in den inneren Südhafen umgezogen und schaukeln dort vor sich hin wie schlafwandelnde Elefanten.

Das sind Offshore-Tender mit einer Ruhemasse um die 70 Tonnen. Im Schutzhafen. Da schaukelt normalerweise nix.

Zuhause muss ich an die Menschen in der Karibik denken. Hier sind die Häuser aus Stahlbeton und die Stromleitungen liegen unter der Straße. Mannomann.

 

Einfache Fahrt

Gestern gab es einen kleinen Besucherrekord: 3.500 Menschen kamen mit den Schiffen an und vor meiner Wohnung sah es ziemlich voll aus. “Tscha”, sagt der Nachbar aus dem Duty-Free-Laden, “Türkei is nich’ mehr so angesagt.”

Drei Stunden später waren die meisten schon wieder auf dem Rückweg.


Niemand kauft ein einfaches Schiffsticket nach Helgoland. Die Besucher müssen ja  zurück aufs Festland und die Insulaner früher oder später wieder nach Hause. Außerdem muss man bei einem einfachen Ticket extra fürs Gepäck zahlen und dann kostet das fast genau so viel wie Hin- und Rückfahrt.

Vorgestern war großes Martinshorn-Getute zu hören (allerdings sind hier die Martinshörner nicht lauter als eine normale Autohupe auf dem Festland). Polizei und Feuerwehr fuhren zum Nordstrand, denn östlich der Langen Anna war der Leichnam eines Mannes angespült worden.

Bei der Spurensicherung fand die Polizei ein einfaches Schiffsticket. Und keinen Gepäckschein.

September. Wieder.

Die ersten Regenschauer waren hier und der Sommer ist angezählt. Die Insulaner auch ;-) . “Noch acht Wochen”, sagt der eine oder andere und es klingt nicht immer wehmütig. Dann ist nämlich die Saison vorbei und die Reisegruppen mit den Sonderangeboten kommen.


Jetzt scheint die Sonne wieder, aber etwas hat sich verändert. Als sähe man alles durch eine Glasscheibe an.

September’s here again.

Das Haus, das schläft (2)

Nach der Schlammschlacht mit den Fools on the Hill bin ich wieder zurück im Haus, das schläft. Doch jetzt ist nicht Winter und ich schaue zum Fenster hinaus anstatt hinein.

Auch der Garten sieht ein wenig anders aus als vor sieben Monaten.

Auf dem Felsen könnte es einen Garten wie diesen gar nicht geben. Und ein Haus wie dieses schon gar nicht. Eigentlich ein ganz normales Einfamilienhaus auf dem Festland, aber einer ist gestorben und zwei sind erwachsen geworden und ausgezogen.

Vor ein paar Tagen stand ich hier im Wohnzimmer und dachte unwillkürlich: Auf dem Felsen wäre schon längst ein Trupp fleißiger Bauarbeiter aus Osteuropa durch die Hütte gepoltert und hätte so lange Rigips in die Gegend zementiert, bis hier zehn bis fünfzehn Leute wohnen würden.

Nein, das ist keine ironische Übertreibung. Sobald wir das Haus verlassen, schauen wir immer bis zum Horizont, aber daheim spätestens nach vier Metern auf eine Wand.

Finde den Fehler.

Abwesenheitsmeldung

Besorgte Blogleser haben sich erkundigt, warum es schon seit Wochen kein neues Posting mehr gab.

Antwort 1: Zu viel Leben.

Antwort 2: Zu wenig Internet-Konsum.

Antwort 3: Der Leuchtturmerklärer wandelt gerade auf dem Festland. Naja, Festland, es ist eher Festivalmatsch auf dem Herzberg-Festival.

Der bärtige Jan sagt aber, der Regen habe echt nachgelassen und der Matsch sei auch viel wärmer als gestern ;-) .

Summertime

…and the living is easy.

Jedenfalls hat es schon seit drei Wochen nicht mehr geregnet. Es wird kaum noch dunkel, um Mitternacht wandert das blaue Leuchten gemächlich von Westen nach Osten und vier Stunden später geht die Sonne wieder auf.

Natürlich gibt es immer noch einen Alltag mit Aufgaben und Verpfichtungen, aber selbst der Weg von einem Termin zum anderen fühlt sich wie Urlaub an.

Bei den Offshore-Leuten ist Crew-Wechsel. Sonst scheint die Zeit stillzustehen wie an einem Sonntagnachmittag. Es ist aber Mittwoch.

Am Wochenende ist dann Hafenfest am Binnenhafen.

Man lümmelt vor den Hummerbuden herum und schnackt mit den Passanten. Manchmal auch über sie ;-) .

Gestern war dann aber plötzlich Schluss mit lustig. Mein Schlautelefon begann rot zu blinken und das tut es normalerweise nur, wenn die Batterien fast alle sind.

Manchmal aber auch aus anderem Grund. Diesmal war es kein schlecht gelauntes Tier, sondern… tja, was? Das Alien-Mutterschiff aus “Independence Day”?

Irgendwie sollten Wolken nicht so aussehen. Ein uralter Primateninstinkt sagt “Zeit, Schutz zu suchen”.

Jedenfalls wurde es kurz danach sehr dunkel, die Windgeschwindigkeit stieg schlagartig auf 70 km/h und es fing an zu blitzen, donnern und zu regnen. Das habe ich dann aber nicht fotografiert, sondern lieber meinen Nachbarn im Erdgeschoss geholfen, ihre Ware in den Laden zu tragen.

Nach einer halben Stunde war der Spuk schon wieder vorbei. Das UFO flog weiter Richtung Festland, in Norddeutschland hörten die Züge auf, zu fahren und hier hat es anscheinend wieder ein Stück vom Internet gebraten. 

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Örks.

Kaputt

Irgendwie bin ich ein wenig kaputt.

Vorgestern kam das schlecht gelaunte Tier vorbei und brachte ein Gewitter mit. Hochseegewitter sind anders. Oft kommen sie aus dem Westen, haben schon ein paar hundert Kilometer über dem Meer hinter sich und sind dringend auf der Suche nach Krawall. Jegliche Andeutung von Bodenerhebung kommt da gerade recht.

Um 13 Uhr gab es einen Blitz und zwei gewaltige Donnerschläge auf dem Felsen. Am Telekom-Mast im Westen und der Abgasanlage in Nord-Ost war Elmsfeuer zu sehen und zehn Prozent der Helgoländer Telefone hörten auf, zu funktionieren.

Selbst Omas Bakelit-Phon auf Helgoland ist heute ein Endgerät in einem etwas arg aufgeputschten VoiceIP-Netzwerk. Ratet mal, wen die Leute fragen.

Irgendwie bin ich ein wenig kaputt.

Die Helgoländer Walkie-Talkies übrigens funktionieren einwandfrei.

PMR446/3.0 für den Flughafen, /7.5 für die Ornithologen und /5.23 für den Breakfast Club. Hört mal rein, wenn ihr in der Nähe seid ;-) .

Schlecht gelaunt

Heute morgen war das Wetter noch ganz happy. Ich hab aber keine Gästeführung, sondern nur den ganz besonders widerspenstigen Router eines Helgoländer Nachbarn als Patienten.

Nachdem ich dem an den hinteren Stossfänger getreten hab (dem Router, nicht dem Nachbarn ;-) , bin ich emotional ordentlich auf Krawall gebürstet, steige wieder aus dem Keller und…

Oha. Ein schlecht gelauntes Tier im Westen.

Eine Viertelstunde später sind alle Menschen im Freien nur noch auf der Flucht.

Ich stehe am Fenster und hab ein bisschen schlechtes Gewissen, wegen des Daches über meinem Kopf und des Bechers Kaffee in meiner Hand. Sorry ’bout that ;-) .