Verlustmeldung

Spät abends auf das blinkende Mobiltelefon geschaut. Nachricht gelesen. Nicht verstanden. Nicht verstehen gewollt. Es ist wie der Augenblick, in dem ich mich in den Finger schneide, auf die Verletzung schaue und ungläubig darauf warte, dass der Schmerz kommt.

Ihr Bruder hatte mir vor einigen Wochen erzählt, dass sie schwer erkrankt ist. Trotzdem geht es nicht in meinen Kopf hinein.

Es ist über dreißig Jahre her, dass wir ein Paar waren. Von ihr habe ich gelernt, was ich in diesem Leben wirklich erreichen will.

Ich kann nicht mehr schlafen und gehe in den Südhafen, fotografiere den Sonnenaufgang. Sollte ich nicht warten bis zum Sonnenuntergang?

Nein.

Helmut und Andreas

Helmut. Ich erinnere mich, wie er das Amt übernahm und ich dachte, oh, nach meinem Deutschlehrer wird jetzt mein Mathelehrer Kanzler. Cool fand ich ihn schon, mein Vater fand ihn auch besser als Willy.

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Einen Tag später ist mein Ex-Kollege Andreas gestorben. Der war nie Bundeskanzler (das wäre mal eine echt spannende Ära geworden ;-), aber hat mir mindestens einmal beruflich den hinteren Stoßfänger gerettet.

Mann, Andreas. Du kuckst jetzt von oben auf uns runter und sagst “Regt euch mal wieder ab, mir gehts gut.”

Helmut wahrscheinlich auch.

Im Himmel

Gestern erhielt ich Nachricht, daß ein alter Freund aus den Achtzigern gestorben ist und Erinnerungen rumoren wie schlecht verzurrte Gepäckstücke durch meinen Kopf.

Dann klopft die Polizei an die Tür. Hinter dem Haus ist eine alte Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden worden. Das passiert hier eigentlich immer, sobald irgendwo ein Zaunpfahl aufgestellt werden soll, denn am 18.4.45 ist die damals 1,8 km² große Insel innerhalb von 75 Minuten von 7.000 Bomben getroffen worden.

Also sitze ich am Osthafen, sehe nach oben, frage mich, was er jetzt sagen würde.

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Nach zwei Stunden sehe ich die evakuierten Schiffe wieder in den Südhafen zurückkehren. Wir sind schon sehr merkwürdige Wesen.