Reality Check

Das Radio sagt zum x-ten Mal: Flughafen Bombe Mörder Todesopfer.

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Ich sehe aus dem Fenster, aber da ist nur die Sonne, die untergeht. Eine Elektrokarre fährt hinauf ins Oberland. Absolute Stille.

Inseln sind komisch.

Keiner ist hier besser, Leute hassen sich, lästern übereinander, werfen sich Knüppel zwischen die Beine, der ganze Schrott.

Aber wahrscheinlich sind wir einfach – rein quantitativ – nicht genug Menschen, um so einen richtig üblen Mob zusammenzukriegen.

Au weia

In den vergangenen Tagen habe ich einige besorgte Mails erhalten und eine Freundin hat sogar vom Festland aus hier angerufen. Wahrscheinlich, weil es in den letzten paar Einträgen hier im Blog nicht mehr so viel um Heimatkunde und Wetterlagen ging, sondern um die Gedanken, die ich mir um ein paar Schicksals-Klopper mache. Seit Beginn des Jahres sind einige traurige Dinge geschehen.

Und die Stille hier auf der Insel bewirkt, daß ich auch in dieser Situation meine eigenen Gedanken sehr gut hören kann. Hier gibts keine Verkehrsstaus oder Blödmänner in der U-Bahn, die mich davon ablenken.

Mein Alltag sieht halt oft so aus.

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Macht euch keine Sorgen, das ist Alles ganz normal.

Nr. 20145

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Eigentlich wollte ich ja nur meine Resturlaubstage ausrechnen. Dabei hat mir aber mein Taschenrechner mehr oder weniger ungefragt zugeflüstert, daß er ja auch die Anzahl der Tage zwischen zwei Kalenderdaten berechnen kann.

Heute ist also der zwanzigtausendeinhundertfünfundvierzigste Tag dieses Lebens.

Aha.

Irgendwie schon beeindruckend. Naja, irgendwie ;-) .

Trugbild

Ist das ein Vogel oder hat mir jemand was in den Tee getan?

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Auch ansonsten ein ruhiger Tag. Schöne Inselführung, Gäste mit diesem fast unmerklichen wir-wissen-schon-warum-Lächeln in den Mundwinkeln. In kreischendem Gegensatz dazu die neuesten Nachrichten vom Festland.

Hier wäre es schwer, überhaupt genügend Menschen zusammen zu kriegen für eine solche Grausamkeit. Nicht mal die Nazis haben das geschafft, siehe Kropatscheck. Man kann sich hier nicht verstecken hinter irgendeiner Bewegung, Religion oder was auch immer da herhalten muß. Was man tut oder läßt, geschieht allerzuerst in der ersten Person.

Spätestens im Dezember werde ich auch wieder aufs Festland reisen. In ein anderes Land.

Komisch, das mit der Insel.

Im Himmel

Gestern erhielt ich Nachricht, daß ein alter Freund aus den Achtzigern gestorben ist und Erinnerungen rumoren wie schlecht verzurrte Gepäckstücke durch meinen Kopf.

Dann klopft die Polizei an die Tür. Hinter dem Haus ist eine alte Bombe aus dem zweiten Weltkrieg gefunden worden. Das passiert hier eigentlich immer, sobald irgendwo ein Zaunpfahl aufgestellt werden soll, denn am 18.4.45 ist die damals 1,8 km² große Insel innerhalb von 75 Minuten von 7.000 Bomben getroffen worden.

Also sitze ich am Osthafen, sehe nach oben, frage mich, was er jetzt sagen würde.

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Nach zwei Stunden sehe ich die evakuierten Schiffe wieder in den Südhafen zurückkehren. Wir sind schon sehr merkwürdige Wesen.