An der Aade

Gestern hat die Sommersaison offiziell wieder begonnen und in den vergangenen Tagen galt es noch eine ganze Menge Vorbereitungen in letzter Minute zu treffen. Ich merke, dass ich entweder ganz schön verwöhnt bin von der Helgoländer Gangart – oder einfach zwanzig Jahre älter als damals, als gelegentliche Schübe von Holterdipolter im Berufsleben viel normaler erschienen und manchmal sogar richtig toll.

Irgendwie ist dann doch noch alles rechtzeitig fertig geworden und gut über die Bühne gegangen. Und heute fahre ich mit Fe, die zu Besuch hier ist, zur Düne hinüber. 

Morgens schien noch die Sonne und meine Glatze strahlt in lustigem Rot. Ich muss nämlich allmählich aufhören, die sonst allgegenwärtige Mütze zu tragen. Sonst kann ich die den ganzen Sommer nicht mehr abnehmen wegen des Helgoländer Bikinistreifens. Der verläuft allerdings so eher in Höhe der Augenbrauen und aufwärts ;-) .

Inzwischen hat sich der Himmel wieder zugezogen und alles erstrahlt Grau in Grau. Im Ernst. Wahrscheinlich kann man das garnicht fotografieren. Auf den ersten Blick sieht alles grau aus. Aber anders, von innen heraus leuchtend. Ist wie HDR hier , nur ohne HDR, hat mir mal ein Fotograf gesagt. Was immer das bedeuten mag.

Ansonsten passiert erstmal nicht soviel. 

An der Aade setzen wir uns an den groben Kiesstrand, dort, wo die Stürme der vergangenen zehn, zwanzig Jahre auf der Ostseite den Sandstrand fortgerissen haben. 

Die Wellen klingen hier ganz anders, mehr so Ssss-ploff als Rausch-rausch.

Wir gucken und reden und reden und gucken und eine Weile lang passiert wieder nicht viel. 

Dann kriegen wir Besuch.

Normalerweise kommen die Robben nicht an die Aade. Würde ich auch nicht, wenn ich mit dem Bauch über den Strandkies hoppeln müsste.

Aber das hier ist wohl eine Robben-Teeniebratze und Mama hat das schon tau-send-mal erklärt, dass man nicht an die Aade gehen soll. Pah!

Eigentlich gilt die Regel, dass man weggehen soll, wenn die Robben aus Neugier näher kommen. Aber bevor wir unseren Krempel einsammeln können, ist die Bratze schon wieder abgebogen und in den Dünen verschwunden. 

Dann sind wir wohl kurz eingenickt am Strand. Als wir aufwachen, ist es ganz schön frisch geworden und fröstelnd gehen wir am Südstrand zurück zur Fähre.

Was wir geredet haben? Ach je, das Licht, das Wetter, das Kommen und Gehen des Lebens und der Liebe, ob es grausam ist, einem Atheisten zu sagen, dass man den Tod nicht fürchtet. Strandzeugs halt.

Gute Vorsätze

Ok, ich werde bis auf Weiteres keine Loblieder mehr auf die baldige Ankunft des Frühlings singen. Aberglaube bringt bekanntlich Unglück und immer, wenn ich das tue, sieht es am nächsten Tag so aus:

Oder so:

Selbst die sonst so Helgoland-festen Möwen sehen ganz schön angep***t aus.
Trotzdem will ich zur Düne hinüber, einfach weil heute mein freier Tag ist.

Och nee, sagen die Jungs von der Dünenfähre, kannste nicht in einer halben Stunde wiederkommen? Der Nebel hat auch den Verkehr auf dem Dünenflughafen zum Erliegen gebracht und außer mir ist weit und breit kein Verrückter zu sehen, der dort hin will.

Na gut. Eine halbe Stunde später ist immer noch keiner da, aber dann fahren sie doch. Nur für mich.

Auf der Düne ist gerade die wilde Strandparty am toben.

Irgendwo, irgendwo dahinten bestimmt. Eventuell aber auch schon in Dänemark.

Dann laufe ich hinüber zum Nord-Ost-Strand, aber weit komme ich nicht.

Überall sind große Schilder, die die Seehunde darauf hinweisen, mindestens 30 Meter Abstand von den Zweibeinern zu halten. Können die nicht lesen?

Nö.

Dann fahre ich mit der letzten Fähre wieder zurück.

Am nächsten Tag ist das Wetter soso, hmhm, lala, aber ich sage nichts. Ich möchte mit meinem Anwalt sprechen ;-) .