Reste

Der Felsen hat so einiges an Geschichte erlebt, weil er die einzige Zwischenstation an den alten Seefahrerrouten in der Nordsee war. Von West nach Ost ging es von Großbritannien Richtung Baltikum und Osteuropa, von Nord nach Süd Richtung Rheinmündung und ins europäische Festland hinein.

Mal war der Felsen friesisch (was mal ein eigenes Land war) dann dänisch, dann gehörte er zu Schleswig, das manchmal zu Deutschland gehörte, dann wiederum zu Dänemark. Ein ziemliches Durcheinander zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert.

Den Insulanern dürfte das relativ egal gewesen sein, abgesehen davon, daß man jedesmal wieder Steuern, Abgaben, Strandrecht usw. mit immer neuen Hochwohlgeborenen aushandeln durfte, die ansonsten keine große Hilfe beim alltäglichen Überleben waren.

Dann kamen die Briten, die gerade mit Napoleon Bonaparte Unfreundlichkeiten austauschten und dringend einen neuen Handelsstützpunkt brauchten. Gut achtzig Jahre später tauschten sie die Insel gegen deutsche Kolonialgebiete in Ostafrika ein. Wie üblich wurden die Insulaner nicht gefragt, was sie eigentlich wollen.

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Das Letzte waren dann zwei deutsche Alleinherrscher mit merkwürdigen Schnurrbärten. Beide träumten von See- und Groß- und Weltherrschaft, machten aus dem Felsen zuerst eine Festung im Meer und in der Konsequenz am Ende einen Trümmerhaufen.

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So sieht der Felsen am 18.4.45 aus.

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Und so am 18.4.47, aus einigen Kilometern Entfernung gesehen. Die Briten wollten sicher gehen, daß niemand hier jemals wieder irgendeine Festung baut.

Wenn man heute spazierengeht, findet man immer wieder noch Reste vergangener Machtphantasien.

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Hier fiel vor 70 Jahren eine 5000-Kilo-Bombe vom Himmel, eine von ca. 7000. Die Insel war damals etwa 1,8 km² groß.

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Heute ist der Krater im Sommer ein beliebter Grillplatz, denn am Grund ist es immer schön windstill. Und die Insulaner leben hauptsächlich vom Tourismus und Duty-Free-Handel, der im historischen Vergleich plötzlich unglaublich sympathisch erscheint.

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4 thoughts on “Reste

  1. Toller Text, ich freu mich, wenn ich mal an einer Führung teilnehmen kann. Bei der Sprengung war Helgoland hoffentlich komplett evakuiert – bei der heftigen Bombardierung auch?

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    • 1945 saßen die Bewohner zitternd im Zivilschutzbunker, der aber gehalten hat.

      1947 war der Felsen geräumt. U.a. bastelten die Briten noch an einer eigenen Atombombe und hatten konventionelle Munition aus Europa gesammelt und nach Helgoland gebracht, bis die Sprengkraft von 0,55 Hiroshima-Bomben erreicht war. In Cuxhven wurden die Bewohner aufgefordert, alle Fenster zu öffnen, damit nicht die ganze Stadt entglast wird.

      Menschen machen schon merkwürdige DInge…

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  2. Pingback: Stell dir vor | halunder blog

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