The Big Sky

Ok, ich gebe es zu, ich höre immer noch Musik von Kate Bush. Manche Überhipster lächeln jetzt mitleidig: Oh, Chartpop. Die dürfen jetzt alle mal ein Eis essen gehen.

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Ich bin solange am Südhafen, mache den Hans-Guck-in-die-Luft und höre “The Big Sky/Meteorological Mix“. Laut. (Mein Telefon warnt mich, daß ich die Lautstärke auf potentiell gesundheitsgefährdende Dröhnung gestellt habe. Danke, liebes Betriebssystem!)

Manchmal denke ich, ich sollte aufhören, diese Wolkenbilder zu posten. Irgendwie sehen die ja immer gleich aus. Das liegt aber nicht an den Wolken. Nix gegen eure superduper 8k-Bildschirme, aber eigentlich bräuchte man eine mittelgroße Kathedrale und einen waffenscheinpflichtigen Beamer, um sich das mal richtig vorstellen zu können. Und Video, weil dieses Bild stetig an einem vorbeizieht wie eine zum Buddhismus konvertierte Laufschrift. Und 3D. (Und, hm, Möwenschiet am Schuh ;-)

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“That cloud looks just like the tree at the bottom of our garden”
“That cloud looks like a little lamb with a tail”
“That cloud looks Commulus Castellus”
“That cloud is nothing but trouble”
“This cloud looks like hmmmm, one of those things hmmm, you know”
“That cloud looks like one of those brown shiney things”
“That cloud looks like snow”
“No it doesn’t”
“This cloud looks like rain”
[general background discussion]
“Order! This cloud should be removed immediately”
“That cloud looks like industrial waste”

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No, it doesn’t.

Ein Jahr

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Tja, es ist soweit. Heute ist es ein Jahr her, daß ich auf den Felsen gezogen bin. Da war auch gerade Nordseewoche, jeden Tag kamen 2.000 schick gemachte Hamburger herüber und ich wußte zwar, daß das im Winter wohl anders sein würde, aber ansonsten wußte ich noch ziemlich wenig.

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Dann kam ein langer warmer Sommer und ein ebenso langer verregneter Winter. Zum Glück lese ich gern und viel, denn sonst hätte ich mir wahrscheinlich eine Katze zulegen müssen.

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Nichts gegen Katzen an sich, aber die Eßgewohnheiten sind mir dann doch etwas zu… fischig.

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Ein paar Freunde habe ich gewonnen. Naja, drei. Das ist schon ein ganz guter Wert. Ich habe gelernt, mit einer Population von ein paar hundert Menschen klarzukommen, aus denen ich mir meine Freunde und Bekannten aussuchen kann. Da darf man nicht so extrem pingelig sein. Auch was die eingebauten Nachteile und Widersprüche des Dorflebens angeht, speziell wenn dieses Dorf im Winter eine ziemlich reduzierte Verkehrsanbindung zum nächsten Dorf hat. Da kommt die Fähre nur noch alle zwei Tage, die Hälfte aller Geschäfte und Kneipen ist für Monate verbarrikadiert und wenn es ein paar Tage stürmt, leeren sich auch sichtbar die Regale für Obst und Gemüse im Supermarkt.

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Und ich habe gelernt, die Windstärke am Heulen und Pfeifen zu erkennen, mit dem der Wind um den Sendemast weht.

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Dreimal war ich jeweils für ein paar Tage auf dem Festland, um dort alte Freunde wieder zu sehen. Das war schön und teilweise verwirrend, weil ich den subkulturellen Wirrwarr und die hohe Sprechgeschwindigkeit auf Festlandsparties irgendwie nicht mehr gewöhnt bin ;-).

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Irgendwie war das auch faszinierend, aber sonst gab es nicht viel, das mich hätte halten können, am wenigsten in den Städten. Die sind unglaublich bunt, vielfältig, vermüllt und voll. Überall verstellt etwas von Menschen gemachtes den Blick und man vertrödelt viel Lebenszeit und Geld in Staus und U-Bahnen. Hier dagegen eher mit Herumsitzen am Klippenrand und Betrachten des Horizontes.

Nach dem hundertsten Photo von der leeren Nordsee fragen dann die ersten Freunde, ob es nicht noch was Anderes gibt außer Himmel und Meer. Na ja, schon. Aber das ist einfach Teil meines Alltags und ein Photo kann eben nur in seltenen Glücksfällen vermitteln, wie sich dieser Augenblick angefühlt hat.

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Jetzt ist aber Frühling, die Urlaubs- und Feriensaison hat begonnen und nach dem langen stillen Winter kommt mir das Wort “Gedränge” in den Sinn, wenn die Besucher nach der Ankunft unter meinem Fenster entlang vom Hafen in Richtung Dorf pilgern. In der Fußgängerzone von Bottrop ist natürlich an einem beliebigen Dienstagmorgen mehr los ;-).

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Aber das ist halt Alles relativ.

Habe ich den Umzug bereut? Nö.

Bleibe ich hier? Ja.

Gebt mir einen Grund, mich anders zu entscheiden.

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Ich finde keinen.

Lichtblick (Plan C)

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Als Gästeführer sollte man einen Plan haben. Nicht unbedingt, um ihn stur durchzuziehen, sondern um überhaupt einen roten Faden zu haben, von dem man abweichen kann. Die Gäste stellen genug unerwartete Fragen, was irgendwie eine der besten Sachen an dem Job ist (Gibt es einen Leichenwagen auf der Insel? Einen Zahnarzt? Warum eiert das Internet ab Windstärke 10? Wie funktioniert die Müllabfuhr? Wo ist das Rotlichtviertel? Das Kino? Das McD**f?).

Plan A besteht meistens darin, die Gäste am vereinbarten Treffpunkt abzuholen und entlang einer Kreuz- und Quer-Route Fragen zu Geschichte, Gegenwart, Architektur, Schifffahrtszeichen, Seevögeln und und und zu beantworten.

Manchmal geht das aber nicht, weil das Wetter zu schietig ist oder die Gäste schlecht zu Fuß oder oder oder. So einen Termin hatte ich vergangene Woche. Macht nix, ich habe ja einen Plan B, ich habe Photos und Seekarten und Diagramme, Alles, was man für einen virtuellen Spaziergang braucht.

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In der Buchungsinformation stand allerdings nicht drin, daß die Gäste blind sind. Hm, Zeit, sich einen Plan C auszudenken.

Weil aber keine Zeit war, habe ich ein wenig gemogelt und die meiste Zeit die Augen geschlossen gehalten. Glaubt mir, ich habe ziemlich oft richtig coole Gäste, aber so viel Spaß habe ich seit Jahren nicht mehr auf einer Tour gehabt.

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Und außerdem durfte ich mit Zorro, dem Blindenhund kuscheln. Yippie!