Liebling…

…die Nachbarn haben wieder ihren Kram im Treppenhaus liegen lassen!

Nebenan residiert eine Bande Offshore-TechnikerInnen (ja, auch Frauen) und entwerfen Hubschrauberlandeplattformen oder sowas.

Manchmal liegt da echt interessantes Gerümpel im Flur. Tolle Profi-Taschen zum Beispiel, neben denen der berühmte Yellow Bag aussieht wie ein Kinderrucksack ;-) …

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Einpacken

Morgen kommt der letzte Duty-Free-Dampfer, dann ist es Winter. Zumindest, was die Verbindungen zum Festland angeht. Ein paar Läden haben jetzt schon zugenagelt und die Landungsbrücke ist sturmfest verbarrikadiert.

Höchste Zeit, ein paar Kerzen zu kaufen. Wegen der Stimmung und so.

Vorgestern habe ich die letzten Kumpels, die für die Saison hier waren, zum Hafen begleitet. Und die Kassiererin im *deka, der Postonkel, die Jungs vom Zoll fragen, wann fährst du denn?

Ach nee, gar nicht? Du bleibst? Ja dann… Und dann hat sich irgendetwas verändert.

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Windstärke 10

Windstärke 10 (Beaufort): Schwerer Sturm

An Land: Bäume werden entwurzelt, Baumstämme brechen, Gartenmöbel werden weggeweht, größere Schäden an Häusern; selten im Landesinneren.
Auf See: Sehr hohe See, sehr hohe Wellen, weiße Flecken auf dem Wasser, lange, überbrechende Kämme, schwere Brecher.

Soweit die Wikipedia.

Seit vier Tagen war keine Fähre mehr hier und gestern haben auch die Inselflieger den Betrieb eingestellt.

Der Instinkt sagt einem: Bleib lieber im Haus. Die Ladenbesitzer auf der Insel hassen dieses Wetter, die Kneipenwirte lieben es, denn die Touristen und die frisch Zugezogenen finden natürlich alles ganz romantisch und aufregend und werden in ein paar Stunden nach Grog verlangen. Tatsächlich beginne ich heute zu verstehen, wie man dieses Gebräu überhaupt runterbringen kann. Im weitesten Sinne steht Grog in der gleichen Beziehung zu Sturm wie Hustensaft zu Erkältung (hilft zwar nicht, beruhigt aber ;-).

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Am Nordosthafen kommt die See über die Hafenmauer, von der im Sommer die Inselkinder ihre Fünf-Meter-*rschbomben gestartet haben. Vor der Bücherei stapeln sich die ersten Sandsäcke und die Bibliothekarin erzählt mir fröhlich, daß die Jungs die Sandsäcke wieder falsch gelegt haben. Das Wasser kommt nämlich nicht vom Hafen, sondern wird vom Nordostwind zuerst mal hundert Meter ins Dorf hinaufgetrieben, um dann auf dem Rückweg einen kurzen Besuch in der Bibliothek abzustatten.

Am Nordstrand setze ich kurz die Brille ab, weil der waagerecht heranfegende Gischt in Sekunden die Gläser mit Salzwasser verkleistert. Dann setze ich sie wieder auf,  weil sie doch einen guten Schutz gegen die Sandkörner und Tangfetzen bietet, die da mit angeflogen kommen. Man könnte das vielleicht als Thalasso-Sandstrahl-Massage vermarkten ;-).

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Die See brüllt mich an. Ich kann es nicht anders beschreiben. Eigentlich kann ich es gar nicht beschreiben.

Im Oberland wird es dann etwas schwierig, einen geraden Kurs zu halten. Ganz ohne Grog. Der Wind packt mich an der Jacke wie ein mäßig bedröhnter Hooligan und zieht mich einfach ein paar Schritte mit, bevor ich gegensteuern kann. Vorsicht also vor allem auf der Leeseite der Insel, denn wer will schon auf die harte Tour austesten, ob der Schutzzaun am Klippenrand noch komplett in Ordnung ist?

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Der Sendemast hinterm Leuchtturm macht ein Geräusch wie eine Mischung aus Kirchenorgel und wütendem Dinosaurier. Eigentlich ist das eine ziemlich stabile Konstruktion aus Stahlfachwerk, aber heute frage ich mich nicht mehr, warum die Statiker dem Ding noch drei Pardunen (Abspannseile) aus Fünfzehn-Millimeter-Stahlseil verpaßt haben.

Als ich wieder zu Hause ankomme, bin ich mäßig unterkühlt, salzverkrustet und auf völlig dämliche Art und Weise glücklich.

Und sch**ß auf Grog. Espresso rules ;-).

Halunder

In früheren Zeiten wurde auf der Insel Helgoland ein eigener Dialekt gesprochen. Durch die isolierte Lage entwickelte sich dieser Dialekt  weitgehend getrennt von den anderen friesischen Mundarten.

Ein Klo ist ein Skin, also sind hier alle Skinheads Kloköpfe und es gibt kein Wort für Kind. Man sagt stattdessen letj mensk, also kleiner Mensch. Die Bewohner nannten ihre Insel einfach deät Lunn, also das Land. Verwechslungen waren eher unwahrscheinlich, denn weit und breit gibt es kein anderes Land.

Sich selbst nannten die Helgoländer Halunders, also in etwa die vom Land.